Gemeinsam für Vereinbarkeit im Waldviertel

Knapp 60 Personen aus Politik, Wirtschaft, dem Regionalmanagement, sowie Vertreterinnen und Vertreter auf Gemeindeebene folgten der Einladung zur Der V/Faktor Startveranstaltung im Waldviertel zu Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. In der Wirtschaftskammer Zwettl startete Der V/Faktor mit einer gelungenen Auftaktveranstaltung in die Projektarbeit.

Das Waldviertel ist eine der drei Pilotregionen, in denen gemeinsam mit Unternehmen und Gemeinden innovative Vereinbarkeitslösungen entwickelt und umgesetzt werden. Das Pilotprojekt Der V/Faktor setzt auf enge Zusammenarbeit in der Region. Am Beginn der Veranstaltung richteten Landtagsabgeordneter und Stadtrat Franz Mold, Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer Niederösterreich Dieter Holzer und Obmann des Wirtschaftsforums Waldviertel Christof Kastner begrüßende Worte an das Publikum.

LAbg. Franz Mold betonte in seinen Begrüßungsworten: „Vereinbarkeit und Lebensqualität sind prägnanten Parameter im Schlüsselthema Familienfreundliche Arbeitswelt.“ Er sieht Vereinbarkeitsmaßnahmen als positive Impulse gegen Abwanderung, zurückgehende Bevölkerungszahlen im Waldviertel und der Herausforderung des Fachkräftemangels. Zudem betont er die familienpolitischen Erfolge in der Region zu Pflegefreistellung, -karenz und -teilzeit. Auch Dieter Holzer schärft den Blick auf ein „Lebensphasenbewusstsein“. Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben umfasst neben Kinderbetreuung immer mehr die Pflege von Angehörigen und Work-Life-Balance. Dies sieht auch Christof Kastner so, der sich für eine gute Balance von Arbeit und Freizeit in der Region einsetzt. Gegen den Fachkräftemangel braucht es seiner Meinung nach neue Ansätze wie Job-Sharing und Top-Sharing, Leitungspositionen in Teilzeit sowie flächendeckende Kinderbetreuung.

Auf dem Foto sind die regioanlen KooperationspartnerInnen des Projekts zu sehen. Der V/Faktor setzt auf eine enge Zusammenarbeit auf Gemeindeebene und mit Unternehmen. Wir freuen uns über die Unterstützung im Waldviertel. (Fotocredit: Markus Bachl)
Der V/Faktor setzt auf eine enge Zusammenarbeit auf Gemeindeebene und mit Unternehmen. Wir freuen uns über die Unterstützung im Waldviertel. (Fotocredit: Markus Bachl)

Kostenlose Beratung für Unternehmen und Regionen

Weiter ging es bei der Veranstaltung mit der Projektvorstellung. Projektleiterin von Der V/Faktor Daniela Schallert präsentierte die Strukturen: Die drei Organisationen, ABZ*AUSTRIA – Kompetent für Frauen und Wirtschaft, Regionalberatung ÖAR und Unternehmensberatung BAB, arbeiten gemeinsam mit regionalen PartnerInnen an Vereinbarkeitslösungen im Waldviertel. Unternehmen und Gemeinden können kostenlos praxisorientierte Beratungsleistungen in Anspruch nehmen. Projektmanagerin im Waldviertel Beatrix Beneder ergänzt: „Die Tatsache, dass Vereinbarkeit das zweit wichtigste Kriterium bei der Jobwahl ist, spricht für die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Auseinandersetzung im wirtschaftlichen wie sozialen Kontext.“

Bei der folgenden Podiumsdiskussion stellten Unternehmerinnen und Unternehmen Best Practice Beispiele aus ihren Betrieben vor. Denn wie Bettina Sturm, Projektleiterin Der V/Faktor, erklärt: „Statt Management per Hoppala braucht es für einen guten Wiedereinstieg einen bewusst begleiteten Ausstiegsprozess.“ Elisabeth Koppensteiner, Geschäftsführerin von Garten Leben, sieht Unternehmen gefordert ein „Wohlfühlklima“ zu schaffen: „Ich gehe mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so um, wie auch ich gerne behandelt werden möchte. Wir möchten Eltern unterstützen.“  Koppensteiner betont zudem, dass es nicht nur um Kinderbetreuung geht: „Zwei meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Bildungskarenz. Wenn jemand etwas lernen möchte, muss man ihn unterstützen.“

Bei der Podiumsgespräch stellten Projektleiterin Bettina Sturm, Christof Kastner, geschäftsführender Gesellschafter der Kastner Großhandelsgruppe, Elisabeth Koppensteiner, Geschäftsführerin von Garten Leben, Reinhard Stark, Geschäftsführer der Stark GmbH Sekundärrohstofflieferant,und Daniel Mayerhofer, Gemeinderat in Langau, praktische Vereinbarkeitslösungen vor und betonten den Erfolgsfaktor für Unternehmen, Mitarbeitende und Gemeinden. (Fotocredit: Markus Bachl)
Bei der Podiumsgespräch stellten Projektleiterin Bettina Sturm, Christof Kastner, geschäftsführender Gesellschafter der Kastner Großhandelsgruppe, Elisabeth Koppensteiner, Geschäftsführerin von Garten Leben, Reinhard Stark, Geschäftsführer der Stark GmbH Sekundärrohstofflieferant,und Daniel Mayerhofer, Gemeinderat in Langau, praktische Vereinbarkeitslösungen vor und betonten den Erfolgsfaktor für Unternehmen, Mitarbeitende und Gemeinden. (Fotocredit: Markus Bachl)

Unternehmenserfolg durch Zufriedenheit

„Der Erfolg im Unternehmen ist das Abbild der Mitarbeiterzufriedenheit“, ist sich Reinhard Stark, Geschäftsführer der Stark GmbH, sicher „Wir stellen uns zwei Fragen: Was möchte die Kundin oder der Kunde? Was braucht die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter? Oft sind es einfache Bedürfnisse, die wir umgehend umsetzen können. Das Firmenleben und das Privatleben, muss gut kombinierbar sein damit eine konstruktive Basis für alle geschaffen wird.“ Der Geschäftsführer kennt das auch aus eigener Erfahrung: „Ich bin selbst dreifacher Vater und weiß, auch Männer sind in puncto Vereinbarkeit gefordert. Es geht auch verstärkt um die Sorge für ältere Familienangehörige. Da sind humane wie kreative Ideen gefragt.“

Auch Christof Kastner, geschäftsführender Gesellschafter der Kastner Großhandelsgruppe, unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Vereinbarkeitslösungen im Unternehmen wie Job- und Top-Sharing, Leitungsfunktionen in Teilzeit und bezahlte Arbeitszeit für Ehrenämter. Damit wurde das Unternehmen auch als Feuerwehrfreundlichstes Unternehmen in Niederösterreich ausgezeichnet. „Sozialengagement ist für uns als Unternehmen selbstverständlich. Der Faktor Vereinbarkeit ist keineswegs ein Marketingmascherl. Genau das macht uns zu einem attraktiven Arbeitgeber“, sagt Kastner.

Zusammenwirtschaften für optimale Lösungen

Um Vereinbarkeit in der Region zu ermöglichen, müssen Unternehmen und Gemeinden zusammenarbeiten. Daniel Mayerhofer, Gemeinderat in Langau und zuständig für Schule und Kindergärten, sieht die Gemeinde als Mittler zwischen den Interessen der Unternehmen und der Bevölkerung: „Wir sind uns der finanziellen wie strukturellen Mitverantwortung im Kinderbetreuungskontext mit Schwerpunkt 0-3 Jahren bewusst und nehmen diese auch wahr. Unser Angebot ist auch für Kinder aus Nachbargemeinden offen und so für potentielle Zuzügler attraktiv.“

„Wo Vereinbarkeit gelebt wird, schafft man es eher Junge in der Region zu halten oder sie zur Rückkehr zu bewegen“, ist Barbara Hartl, Regionalentwicklerin für den V/Faktor, überzeugt. Da setzt Der V/Faktor an und unterstützt praxisorientiert Unternehmen und Gemeinden. Bei der Veranstaltung nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Zeit zur Vernetzung und Kennenlernen des Projektteams. So kann das Pilotprojekt optimal im Waldviertel durchstarten.

X